27.11.2017

Die Sprache erlernen ist der Schlüssel zur Teilhabe

„Alle sind sich einig, dass Sprache der Schlüssel zur Teilhabe und Voraussetzung für das Zusammenleben ist“, sagt Dr. Barbara Zurek, Fraktionsvorsitzende der Grünen Ratsfraktion. „Dafür brauchen unsere nichtdeutschsprachigen Mitbürger (Erwachsene und Kinder) deutschsprachige Vorbilder“. Deshalb hat Barbara Zurek im Namen der Stader Ratsfraktion eine 6-Punkte Anfrage an Bürgermeisterin Silvia Nieber für den DEWI-Ausschuss gestellt. „Unsere Anfrage richtet sich auf eine ausführlichere Darstellung der Zahlen und Aussagen, um Handlungsnotwendigkeiten zu erkennen“, betont Barbara Zurek.

Die Anfrage im Wortlaut:
Anfrage zur nächsten Sitzung des Ausschusses für Kinder, Jugendliche, Senioren, Soziales und Familie am 29.11.2017
In der DWI-Sitzung vom 09.11.2017 wurde berichtet, dass die Nachfrage nach Plätzen in der Kita Altländer Viertel sehr hoch ist und dass die Kita nur noch Kinder ab 5 Jahren aufnimmt. Die Eltern der dort abgelehnten Kinder würden vornehmlich ihre Kinder nicht in andere Kitas geben, sondern zu Hause selber betreuen. Im letzten Kita-Übersicht (Stand 1.9.2017) werden im Elementarbereich einige wenige freie Plätze ausgewiesen (7 vormittags, 9 (?) nachmittags, 5 ganztags). In der Ausschusssitzung wurde auf Nachfrage seitens der Verwaltung mitgeteilt, dass es genügend freie Plätze über das Stadtgebiet geben würde, um alle Kinder zu versorgen.

Seit 2003 ist die Zahl der Einwohner im Altländer Viertel rasant gestiegen, seit 2012 um 30 % (2017: 2.797). Die Zunahme von Einwohnern mit einer ausländischen Staatsbürgerschaft hat sich dabei mehr als verdoppelt (2017:1314) (s. Antwort der Verwaltung auf einen Antrag der CDU DWI 16.05.2017). Eine Altersübersicht der Einwohner des Altländer Viertels 20110-2017 (Auflistung der Verwaltung, Anlage zum Protokoll DWI 16.05.2017) zeigt, dass es in den Jahren 2010 bis 2016 eine stetige Steigerung der Zahlen der Kinder in der Altersgruppe 0 – 6 gab (von 338 (2010) auf 395 (2016) Kinder), in 2017 eine sprunghafte Steigerung der Zahl der Kinder in der Altersgruppe 0 – 6 (501 Kinder).

Wenn man sich die Zahlen der Zuwanderer aus dem osteuropäischen Raum (Polen, Bulgarien, Rumänien) ansieht, dann ist für dies Nationalitätengruppe eine noch deutlichere Steigerung für diese Altersgruppe zu beobachten (2010/11/12 unter 10 Kinder; 2013/14 um die 20 Kinder, 2015: 50 Kinder, 2016: 68 Kinder, 2017: 103 Kinder).

Die Kita Altländer Viertel hat max.115 Plätze im Elementarbereich, die Kita St. Georg 25 Plätze.

Vor diesem Hintergrund stelle ich im Namen der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen folgende Anfragen für die nächste Sitzung des KJSSF:

  1. Seit wann nimmt die KiTa Altländer Viertel nur noch Kinder ab 5 Jahren auf?
  2. Wie sind die aktuellen Zahlen für die Einwohnerzahl im Altländer Viertel insgesamt und aufgeschlüsselt nach Altersgruppen und Nationalitäten?
  3. ibt es statistische Zahlen (über die letzten 3 Jahre, monatlich?) wie viele Eltern den Wunsch haben, ihr Kinder für eine Elementargruppe in der Kita Altländer Viertel anzumelden? Wie viele Kinder davon werden abgelehnt?
  4. Gibt es statistische Zahlen, wie viele der an der Kita Altländer Viertel abgelehnten Kinder in freie Plätze anderer Kitas vermittelt werden? Wie viele der abgelehnten Kinder werden dann anders (= an keiner Einrichtung mit anerkannten Betreuungsplätzen) betreut? Ist diese „andere“ Betreuung im Regelfall dann eine Betreuung zu Hause?
  5. Wenn Eltern ihren Wunschplatz an der Kita Altländer Viertel nicht bekommen und keinen freien Platz an einer anderen Kita annehmen möchten, verschwinden dann diese Kinder aus der offiziellen Statistik der Hansestadt Stade, die im KJSSF vorgelegt wird (da diese Kinder nicht mehr auf einem Warteplatz stehen)?
  6. Gibt es Hinweise auf eine Diskrepanz zwischen den offiziellen Meldedaten und den tatsächlich zu beobachtenden Zahlen an Kindern im Altländer Viertel?

Das Altländer Viertel ist durch einen starken Zuzug nicht-deutschsprechender Einwohner gekennzeichnet. Es ist nicht das einzige Viertel mit dieser Beobachtung, aber die Hinweise aus der Sitzung des DWI-Ausschuss am 09.11.17 und vom 16.05.17 lassen hier einen verstärkten Handlungsbedarf vermuten.

Alle sind sich einig, dass Sprache der Schlüssel zur Teilhabe und Voraussetzung für das Zusammenleben ist. Dafür brauchen unsere nichtdeutschsprachigen Mitbürger (Erwachsene und Kinder) deutschsprachige Vorbilder. Unsere Anfrage richtet sich auf eine ausführlichere Darstellung der oben genannten Zahlen und Aussagen, um Handlungsnotwendigkeiten zu erkennen. Die o. g.  Zahlen deuten darauf hin. In einem zweiten Schritt sind dann Handlungsmöglichkeiten, die kurz-, mittel- und langfristig greifen und umgesetzt werden können, herauszuarbeiten und zu diskutieren.

URL:http://gruene-ov-stade.de/archiv/2017/2017-volltext/article/-03a507b626/