19.12.2013

Klimaschutz braucht Kümmerer in der praktischen Umsetzung

 „Den wirklichen Willen, Klimaschutz zu betreiben, kann man nur über die Umsetzung eines Klimaschutzkonzeptes beweisen“, sagte Dr. Barbara Zurek, Vorsitzende der Grünen Ratsfraktion auf der Ratsitzung am 16. Dezember 2013, in der Diskussion zum Haushaltsplan 2014 der Hansestadt Stade, als es um das Klimaschutzkonzept der Hansestadt Stade ging.

Die Grüne Fraktion freute sich auf der Ratsitzung sehr, dass endlich nach 4 Jahre, nach dem Leitbildprozess Stade 2020 mit dem damaligen Leuchtturmprojekt „Klimaschutzkonzept“ und dem dazu gehörenden Beschluss des Rates am 22.August 2011 auf Erstellung eines Klimaschutzkonzeptes, jetzt der Klimaschutz in der Hansestadt Stade angeschoben wird. „Auf politischer Ebene wollen wir Grüne gerne den Kümmerer spielen, aber das würde herzlich wenig in der praktischen Umsetzung nützen“, so die Biologin und betonte die Wichtigkeit eines Kümmerers in der Stadtverwaltung, der den Klimaschutz in der Stadt koordiniert. Die Rede im Wortlaut von Barbara Zurek:

Rede von Dr. Barbara Zurek - Ratsitzung
Klimaschutz


Wir von der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen freuen uns sehr, dass endlich 4 Jahre nach dem Leitbildprozess Stade 2020 mit dem damaligen Leuchtturmprojekt „Klimaschutzkonzept“ und dem dazu gehörenden Beschluss des Rates am 22.August 2011 auf Erstellung eines Klimaschutzkonzeptes dieses nun wirklich und wahrhaftig in Stade Einzug erhalten soll – denn die Erarbeitung eines Klimaschutzkonzeptes ist eine Sache, aber den wirklichen Willen, Klimaschutz zu betreiben, kann man nur über die Umsetzung eines Klimaschutzkonzeptes beweisen.

Klimaschutz – das tun wir doch als Stadt Stade schon! Ja, das stimmt. Für viele unserer eigenen Gebäude, vor allem bei den Schulen, sind energetische Sanierungen vorgenommen worden bzw. werden vorgenommen. Das macht die GWS automatisch und auch gut. Entsprechende HH-Titel gibt es. Viele unserer Gebäude zieren bereits Photovoltaikanlagen – aufgebaut durch die Stadtwerke, z. T. in Zusammenarbeit mit der Stadtsparkasse und Bürgerinnen und Bürgern als Bürgersolaranlage. Wir haben die Wohnstätte, die beispielhaft voran geht, wir haben die Verbraucherzentrale, die Energieberatung macht, verschiedene Handwerksbetriebe, die sich auf den Weg machen…..und vieles mehr.

Also wozu noch mehr? Und vor allem: wozu einen Koordinator?
Abgesehen davon, dass bereits der Beschluss des Rates in 2011 die Einrichtung einer Koordinationsstelle innerhalb der Verwaltung und davon unabhängig auch die Einrichtung einer Beratungsstelle vorsah und wir hier nun eigentlich nur diesen alten Beschluss konkret umsetzen, abgesehen davon gibt es natürlich andere gute Gründe.

Also: Wozu einen Koordinator?
Weil Klimaschutz eben mehr ist als die energetische Sanierung öffentlicher Gebäude. Weil Klimaschutz nicht nur was mit Geld und innovativer Technik zu tun hat, sondern auch was mit Beratung und Bildung und mit Kommunikation zu tun hat – mit viel Kommunikation, nämlich dem Zusammenbringen der richtigen Akteure. Hier setzt, wenn Sie so wollen, das „Effektivitätsprinzip“ oder die „Effizienzstrategie“ der Hansestadt Stade an. Klimaschutz ist umso effektiver, je stärker es einen Kümmerer gibt – wie immer im wahren Leben. Auf politischer Ebene wollen wir Grüne gerne den Kümmerer spielen, aber das würde herzlich wenig in der praktischen Umsetzung nützen. Auch in der Hansestadt Stade, angesiedelt in der Verwaltung, muss es einen Kümmerer geben. und dieser Kümmerer bezahlt sich selber – durch eingesparte Energiekosten und durch eine fantastische Förderung aus Bundesmitteln. Ein guter Klimaschutzmanager gehört neben den Parkraumüberwachern sicherlich zu den Angestellten in einer Verwaltung, die ihre Personalkosten selber erwirtschaften können – und vielleicht auch noch mehr. Aber dazu braucht die entsprechende Person Zeit - Zeit, um Stade kennenzulernen, Zeit, um zu wissen, wie Stade tickt und Zeit, um zu wissen, welche Projekte vielversprechend sind, was sie wo und wann und in welcher Abfolge anpacken sollte, um effektiv und erfolgreich zu sein.
Zeit, die unserer Ansicht nach ihr nur über eine Vollzeitstelle zur Verfügung steht – deshalb die etwas kryptische Formel teilzeitgeeignete Vollzeitstelle im Haushalt. Bei dieser möglichen Förderung ist eine Vollzeitstelle aber nicht unwesentlich teurer als eine Teilzeitstelle….

Zweite Frage ist : Wo diese Stelle ansiedeln? Die Entscheidung darüber ist Sache der Bürgermeisterin. Trotzdem darf man mal darüber nachdenken. Es gibt da nämlich viele Möglichkeiten – in der Bauverwaltung, oder als Stabsstelle, um die koordinierende Funktion zu betonen, aber auch z. B. in der Wirtschaftsförderung.

Klimaschutz ist nämlich nichts anderes als Wirtschaftsförderung. Klimaschutz ist eng an Investitionen im Bau – und Regelungsbereich gebunden, an innovative Technik, insbesondere auch an Regelungstechnik, aber dies sehr kleinteilig – und deshalb unserer heimischen Wirtschaft, unserem Mittelstand und nicht irgendwelchen Internetfirmen zugute kommend. Regionale Wertschöpfung nennt man das, das wissen sie alle und letztendlich kommt diese regionale Wertschöpfung über Steuern auch wieder bei der Stadt an. Klimaschutz sichert nicht nur Arbeitsplätze vor Ort, sondern führt zu einer Steigerung dieser – wenn genug Fachkräfte vorhanden sind. Insofern ist hier auch der Ausbildungsbereich gefragt nachzuziehen. Auf den Klimaschutzkoordinator warten also viele spannende Aufgaben und Betätigungsfelder, die gemeinschaftlich zwischen Stadt/Landkreis/IHK/Handwerkskammer, den Betrieben und den Bürgerinnen und Bürgern entdeckt, beschrieben und geregelt werden müssen. Möge er viel Erfolg haben!

URL:http://gruene-ov-stade.de/archiv/2013/2013-volltext/article/klimaschutz_braucht_kuemmerer_in_der_praktischen_umsetzung/